Hilfe für Familien, die mit dem Tod leben

Karin Fieberg ist ehrenamtlich im Kinder- & Jugendhospiz tätig - und macht Mut, es ihr nachzutun

Karin Fieberg ist leidenschaftliche Hobbygärtnerin, begeisterte Nordic-Walkerin, Gesundheitsberaterin und Leiterin von Kochkursen im Kneipp-Verein.
Hört sich nach einem ziemlich ausgefüllten Leben an? Naja, da ist noch nicht erwähnt, dass die Ehefrau und Mutter zudem hauptberuflich 40 Jahre Kinderkrankenschwester war. Und weil man niemals so ganz aufhört, ist sie seit ihrem Vorruhestand ehrenamtlich beim ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst der Malteser aktiv.

Karin Fieberg hilft gern. Das gehört zu ihrem Naturell. So stand für sie schon vor dem Ausscheiden aus dem Krankenhaus-Dienst fest: „Wenn ich nicht mehr arbeite, dann mach’ ich was mit Hospiz.” Themen wie Sterben und Tod habe sie nie weggeschoben:
„Ich habe auch Bücher darüber gelesen - auch über das Sterben von Kindern.”

Motto: Mitfühlen - ja,
mitleiden: besser nicht.

So machte es endgültig Klick, als sie in unserer Zeitung las, dass Ehrenamtliche für die ambulante Kinderhospiztätigkeit gesucht wurden. Lieber wären mir schon Kinder..., habe sie gedacht. Und meldete sich. Ab Februar 2007 ließ sie sich in einem Kurs ausbilden für die sensible Tätigkeit.
„Intensiv ist das schon, mal sind es Wochenend-Seminare, dann nur einzelne Stunden.” Insgesamt über neun Monate ziehe sich die Ausbildung. So fühle man sich auch nicht hilflos, einfach „losgelassen” auf die betroffenen Familien.
„Ich bin eingeführt worden in die Familie, die ich nun schon fast ein Jahr begleite”, erzählt Karin Fieberg. Ein langsames Rantasten sei es gewesen, ob man miteinander könne. „In meinem Fall bin ich nicht für den 16-jährigen Sohn zuständig, sondern eher als Entlastung für die Familie. Für die Mutter - sozusagen als psycho-soziale Betreuung.”
Mal gehe man gemeinsam spazieren, mal gäbe es Probleme zu besprechen: „Ich bin zu unseren Terminen einfach für sie da, einfach gesprächsbereit.
Als neutraler Mensch. Denn viele können das irgendwann nicht mehr hören: die Leiden des Kindes – oder vom doch stark eingeschränkten Leben der Mutter...”, weiß Fieberg. Sagt es, ohne das zu verurteilen. Bei den beiden Frauen stimmt die Chemie. Und doch sagt Karin Fieberg: „So lange das Kind lebt, wird der Kontakt bestehen. Doch nach einer Trauerbegleitung endet die Betreuung.” Nicht abrupt. Aber dann sei Zeit für eine neue Begleitung.
Das Wort Beziehung gehe zu weit, auch wenn die Kontakte schon sehr ins Private gehen. „Man muss Distanz halten. Es darf nicht zu eng werden.” Karin Fiebergs dargebotene Hilfe steht für sie selbst unter dem Motto: „Mitfühlen - ja, mitleiden - besser nicht.” Eine Art Eigenschutz - „und auch das lernt man”, will sie anderen Mut machen, die vielleicht noch hadern, ob der Hospizdienst für sie das Richtige sein könnte. Oft höre sie in Gesprächen: Das könnte ich nicht!
Gleichwohl erfahre sie sehr viel Positives: „Viele finden es gut, dass ich das mache.” Und sie habe viele tiefe Eindrücke mitgenommen: „Man weiß sehr zu schätzen, wie gut es einem geht.” Das fange schon bei solch alltäglichen Dingen an, wie etwa, dass man frei verfügen könne über die eigene Zeit. Und darin fühle sie sich durch das Ehrenamt bestimmt nicht eingeschränkt: „Die Vorgabe des Hospizdienstes ist einmal pro Woche und maximal drei Stunden.”
Autorin: Ellen Sarrazin

Wir danken der Westfälischen Rundschau für die freundliche Genehmigung, den Artikel abzudrucken.

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